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Alpinliteratur - Vom BergGefallen

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Was Harald Weiß denkt, das schreibt er. Er ist ein scharfer Analyst seiner selbst und seines Tuns. Das inhaltlich Bittere hüllt er in sprachliche Süße: dem Genuss beim Lesen folgt beim Verdauen ein Grummeln im Bauch.

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Artikelbeschreibung

Details

„Ich dachte. Und schon war es wieder vorbei mit dem Denken. Dass man doch eigentlich könnte, dachte ich.“ Was Harald Weiß denkt, das schreibt er. Er ist ein scharfer Analyst seiner selbst und seines Tuns. Das inhaltlich Bittere hüllt er in sprachliche Süße: dem Genuss beim Lesen folgt beim Verdauen ein Grummeln im Bauch. Aus eigenen Erfahrungen und Gedanken gestaltet er Erzählungen über das Menschsein. Sein Mensch begibt sich in die gefährliche Welt der Berge und kommt darin um.

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Marterhorn

Mit dreißig hatte ich die erste Hälfte des Lebens hinter mir. Mit vierzig die zweite. Jetzt bin ich fünfzig und denke: es gibt etwas zu feiern. Elke fragt, ob ich etwas plane. Ich sage nein.
Das erste Mal auf dem Matterhorn war ich Mitte zwanzig. Nicht über den Schweizer Matterhörnligrat, sondern von der italienischen Seite. Der Hörnligrat war uns zu populär, zu überlaufen. Dass es auf dem italienischen Liongrat bei guten Verhältnissen – Sonne, Wärme, Windstille, kein Schnee, kein Eis – fast genauso voll ist, wussten wir nicht. War auch egal. Wenn man jung ist, denkt man mit dem Körper. Der aber hat gar keine Zeit zum Denken, muss sich ständig bewegen. Da glücklicherweise die Verhältnisse nicht gut waren, bestand gar keine Notwendigkeit, sich über die Menschenfülle bei guten Verhältnissen Gedanken zu machen. Schlecht, sehr schlecht, eine Woche lang: Schnee und Regen. Das Ende der schlechten Woche war heute. Morgen beginnt die gute Woche. Die Wärme gebiert Bergsteiger, die Sonne zieht sie in die Höhe. Nur die Eis- und Schneefürchtigen, die Trocken- und Wohlfühlkletterer fehlen noch zur Massenbelagerung. Nur heute noch, am Abend vor dem ersten schönen Tag, hat auf dem Hüttchen jeder einen guten Platz zum Schlafen. Auch zum Kotzen. Im Durchgang zwischen Außenwelt und Innenraum faucht ein Kocherchor von heißem Tee und heißer Suppe. Ich rühre und schaue durch die beschlagene Scheibe in den Gastraum. Dort sitzen, schlürfen und löffeln die Ausgekochten, die, die sich morgen mit uns auf dem Weg zum berühmten Matterhorngipfel drängen und einander mit Steinen bewerfen werden. Jeder, der hier sitzt oder steht, und jeder, der im Tal auf noch besseres Wetter wartet, auch die drüben auf dem Schweizer Grat, alle meinen, dass sich die Berühmtheit des Berges auf den überträgt, der ihn besteigt. Dieses schwachsinnigen Gedankens wegen, den keiner denkt, sind auch wir in dieser klapprigen Holzhütte, die auf einem Platz steht, auf den homo sapiens, wenn er denn sapiens wäre, nie ein Haus stellen würde. Die nächsten Häuser stehen weit weg in Liliput. Lange muss man über Wandstufen und den felsigen Gratrücken klettern, der von Westen auf den Sehnsuchtsberg führt, bevor man an unerwarteter Stelle auf die Carrel-Hütte stößt. Zwanzig Bergsteiger sitzen und liegen beieinander und reden Berge, Berge über Berge. Dieser Berg, jener Berg. Berge, nichts als Berge. Ich sitze im Klohäuschen und scheiße auf den Berg und auf den Gletscher. Der Eiswind aus der Tiefe bläst mir den Hintern kalt und trocken. Hier ist mein Reich der Ruhe und Zufriedenheit. Mein kleines Glück für wenige Minuten. Vor der Kacke kommt das Kacken, denke ich. Scheiße zu denken und Scheiße zu tun ist Männersache. Die Frauen sind zuhause geblieben ...

 

Autor

Harald Weiß

Als Harald Weiß Theologie studierte, machte er sich zu Beginn keine, am Ende viele Gedanken darüber, dass er sich wissenschaftlich mit etwas beschäftigte, dem wissenschaftlich gar nicht beizukommen ist. Er verlegte daher seinen Studienschwerpunkt vom Jenseits ins Diesseits, vom Geistlichen zum Fleischlichen und wurde akademischer Sportler. Sein Bruder empfahl ihm, Seelsorger der deutschen Fußballnationalmannschaft zu werden, sein Onkel war für Krankenhauspfarrer, bevor er sich erschoss. Schließlich wurde er etwas ganz anderes und schreibt darüber.

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Gewicht 0.3400
Verlag Panico Alpinverlag
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Bibliographische Daten 1. Auflage 2017, 164 Seiten, 120 x 185 mm, Softcover
ISBN-13 978-3-95611-087-0
App Nein
Leseprobe

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